Arbeitskreis Selbsthilfe im Trialog (AK SiT)

Trialog – Bedeutung und Aufgabe

Der Trialog in der Selbsthilfe ist ein gleichberechtigter Austausch zwischen Betroffenen (Expert:innen in eigener Sache), Angehörigen und Fachleuten – ergänzt durch Verbände und Institutionen (z. B. Verwaltung/Behörden). Ziel ist, psychische Erkrankungen und Krisenerfahrungen aus verschiedenen Perspektiven zu verstehen, Kommunikationsbarrieren abzubauen und gemeinsam tragfähige Wege im Alltag und in der Versorgung zu entwickeln.

Die Aufgabe des Arbeitskreises ist es, auf Augenhöhe voneinander zu lernen, Verständnis und Respekt zu stärken, Stigmatisierung abzubauen und eine gemeinsame Sprache zu fördern. Trialogische Impulse werden in konkrete Verbesserungen übersetzt: Zugänge erleichtern, Versorgungsqualität weiterentwickeln, Bedarfe sichtbar machen und Anliegen gebündelt in die politische und strukturelle Ebene tragen. Politik und Verwaltung schaffen dafür die Rahmenbedingungen, damit trialogische Ansätze vor Ort wirksam werden – für eine humanere und wirksamere psychiatrische Versorgung.

  • „Früher helfen“: „Trialog stärkt Früherkennung und niedrigschwellige Wege – bevor Krisen eskalieren.“
  • Teilhabe“: „Ziel ist nicht nur Symptomlinderung, sondern Teilhabe: Wohnen, Arbeit, Beziehungen, Selbstbestimmung.“
  • „Qualität“: „Trialog liefert Qualitätsfeedback aus der Praxis: Was kommt an, was fehlt, was wirkt wirklich?“
  • „Konfliktkompetenz“: „Der Arbeitskreis hilft, Konflikte zwischen Systemlogik und Lebensrealität konstruktiv zu bearbeiten.“
  • „Haltung“: „Trialog ist keine Debatte über ‘richtig oder falsch’, sondern ein Lernraum für Haltung, Respekt und Wirksamkeit.“
 
 
 
 
 

Teilnehmer des Arbeitskreis Selbsthilfe im Trialog Ebersberg

Bezirk Oberbayern

Die Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung

Kreuzbund

Caritas Fachambulanz

Kliniken Bezirk Oberbayern

SPDI Ebersberg

ApK Bayern / Ebersberg

AHDS Selbsthilfe Grafing

Selbsthilfegruppe für Angehörige von ADHS/ADS betroffenen Kindern und Jugendlichen

Saxum in Salo

Selbsthilfegruppe für Menschen mit Substanzgebrauchsstörung (Schwerpunkt Alkohol)

Was hat Selbsthilfe mit Demokratie zu tun?

Klar ist: Die gemeinschaftliche Selbsthilfe sieht sich in vielerlei Hinsicht Grundprinzipien verpflichtet, die auch als zentrale Strukturelemente demokratischer Gesellschaftssysteme gelten: Die Gleichwertigkeit aller Personen, gleiche Rechte und Pflichten für alle, das Recht auf freie Meinungsäußerung und der Respekt vor anderen Meinungen und Sichtweisen, Toleranz gegenüber anderen Lebensformen, die Wertschätzung von Vielfalt.

Allerdings sind demokratische Grundprinzipien oft mehr Leitbild und Utopie als gelebte Realität. Warum sollte es auch anders sein? In Selbsthilfegruppen engagieren sich Menschen, die ihre Haltungen, Gewohnheiten, Verhaltens- und Kommunikationsmuster aus ihren ganz unterschiedlichen biographischen Kontexten mitbringen. Insofern lässt sich festhalten, dass die Selbsthilfe wohl eher ein Lernfeld für Demokratie darstellt als ein Idealbild davon. Sie widerspiegelt im kleinen Kontext der Gruppe, was wir auch im großen gesamtgesellschaftlichen Kontext an Herausforderungen für die Gestaltung einer demokratischen Kultur zu bewältigen haben.

Der überschaubare Kontext macht die Selbsthilfe zu einer idealen Schule für Demokratie, wenn die Beteiligten bereit sind, die Herausforderungen kontinuierlich kritisch zu reflektieren und konstruktiv anzugehen.

Organisierte Selbsthilfe

Schätzungen zufolge engagieren sich in Deutschland etwa drei Millionen Menschen in 70.000 bis 100.000 Selbsthilfegruppen. Selbsthilfegruppen gibt es zu fast allen gesundheitlichen, psychosozialen und sozialen Themen, auch für Angehörige von Betroffenen. Die Angebote der Selbsthilfe reichen vom psychosozialen Austausch in der Gruppe über Beratungs- und Informationsangebote bis hin zu medizinisch orientierten Dienstleistungen und politischer Interessensvertretung. Selbsthilfegruppen betonen die Eigenverantwortung und Teilhabe der Betroffenen und setzen sich auch mit der professionellen medizinischen Versorgung auseinander. Neben der fachlichen Beratung und Information bereichern sie die Versorgungslandschaft durch eine psychologische und soziale Komponente: Verständnis und Beistand durch andere, das Gefühl nicht allein zu sein und die individuellen Probleme im Umgang mit Gleichbetroffenen auszutauschen, stellen wertvolle Ressourcen für die Gesunderhaltung und Problembewältigung dar.

Grundprinzip

Ein Grundprinzip bayerischer Behindertenpolitik lautet: „Förderung der Fähigkeit und der Möglichkeiten von Menschen mit Behinderung oder chronischer Krankheit, über ihr Leben selbst zu bestimmen bzw. es selbst zu gestalten.“

Die Vielzahl selbsthilfeorientierter Verbände und Gruppen von und für Menschen mit Behinderung oder chronischer Krankheit ist ein eindrucksvoller Beweis für die politische Bedeutung und Akzeptanz dieses Prinzips und für die Umsetzung dieser Idee in die soziale Wirklichkeit.

Organisationen

Weitere Informationen, auch zur Förderung von Selbsthilfe für Menschen mit Behinderung oder chronischer Krankheit erhalten Sie bei nachfolgenden Organisationen.

  • Die Landesarbeitsgemeinschaft SELBSTHILFE von und für Menschen mit Behinderung und ihre Angehörigen in Bayern e.V. (LAG SELBSTHILFE) ist Dachorganisation von über 100 Landesbehindertenverbänden. Die Verbände beraten betroffene Menschen bei den verschiedensten Problemen und Fragestellungen, bieten Möglichkeiten des Austauschs und der Begegnung und sind ein wirkungsvolles Forum der Vertretung der Anliegen und Interessen von Menschen mit Behinderung und chronischer Krankheit. Die Interessen von Mädchen und Frauen mit Behinderung in Bayern vertreten die Netzwerkfrauen Bayern, die organisatorisch an die LAG SELBSTHILFE angegliedert sind.
  • Selbsthilfekontaktstellen sind professionelle Einrichtungen zur regionalen Unterstützung und Beratung von Selbsthilfegruppen und zur Verbreitung des Selbsthilfegedankens, die ihre Arbeit vor Ort leisten. Die landesweite Koordinationsstelle der Selbsthilfekoordination Bayern (Seko Bayern) e.V. hält auf ihren Internetseiten Informationen zu den örtlichen Kontaktstellen sowie viele weitere Informationen zur Selbsthilfe bereit, auch über die Selbsthilfeförderung der Krankenkassen.
  • Bereits seit 1990 werden Selbsthilfegruppen über die Richtlinie zur Förderung von Selbsthilfegruppen für Menschen mit Behinderung oder chronischer Krankheit vom Freistaat Bayern direkt finanziell unterstützt. Die Förderrichtlinie und die Antragsformulare können beim Zentrum Bayern Familie und Soziales heruntergeladen werden, das das Förderverfahren durchführt.

Selbsthilfe macht Politik

„Selbsthilfe macht Politik“ beschreibt die zentrale Rolle, die Selbsthilfegruppen in Deutschland bei der Interessenvertretung und politischen Einflussnahme spielen. Organisierte Selbsthilfe fungiert als wichtige Stimme, die die Bedürfnisse von Betroffenen in den politischen Prozess einbringt. 
 
Kernaspekte und Aktivitäten
  • Interessenvertretung (Lobbying): Bundesweite Selbsthilfeorganisationen und ihre Dachverbände, wie die BAG SELBSTHILFE, agieren als Interessenvertreter gegenüber politischen Institutionen, um Gesetze und Richtlinien im Gesundheits- und Sozialwesen zu beeinflussen.
  • Expertise aus erster Hand: Selbsthilfeorganisationen verfügen über wertvolles Wissen aus der Perspektive der Betroffenen. Dieses Wissen über Versorgungsdefizite und Lösungsvorschläge ist eine wichtige Ressource in der politischen Beratung.
  • „Schule der Demokratie“: Die Arbeit in Selbsthilfegruppen wird oft als eine Form der demokratischen Praxis betrachtet, in der Menschen lernen, ihre Bedürfnisse zu artikulieren, gemeinsam Entscheidungen zu treffen und sich für ihre Belange einzusetzen.
  • Einbindung in Entscheidungsprozesse: Die organisierte Selbsthilfe ist in Deutschland in verschiedene formalisierte Prozesse der Politikgestaltung eingebunden (Neo-Korporatismus), beispielsweise in den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA), wo sie beratende Stimmen zu Leistungen der Krankenkassen hat. 
 
Aktuelle politische Forderungen und Herausforderungen
Aktuelle politische Diskussionen drehen sich unter anderem um:
  • Finanzielle Unterstützung: Die Sicherstellung einer kontinuierlichen und unabhängigen finanziellen Förderung für die lokale Selbsthilfearbeit ist ein ständiges politisches Thema. Die Selbsthilfe benötigt eine politisch gestützte Infrastruktur, die als wichtige Gesundheitsinvestition angesehen wird.
  • Unabhängigkeit: Ein zentrales Anliegen ist es, die Unabhängigkeit der Selbsthilfe gegenüber staatlichen und kommerziellen Akteuren zu wahren, um ihre Glaubwürdigkeit und Effektivität zu sichern.
  • Digitalisierung und Inklusion: Die Selbsthilfe setzt sich mit den Herausforderungen der Digitalisierung auseinander und fordert, Menschen mit sozialen Nachteilen oder Migrationshintergrund besser einzubeziehen. 
Insgesamt macht die Selbsthilfe Politik, indem sie durch das Zusammenwirken freier Menschen im politischen Raum auf Missstände aufmerksam macht und sich aktiv für das Gemeinwohl der Betroffenen einsetzt. 

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