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Über unsere Initiative

Foto und Aktions Kunst Event "Superheld*innen"

Ab 01. Juli begaben wir uns als Team mit überwundener Alkohol – Abhängigkeitserkrankung auf eine Heldenreise und machen Mut!. Wir verändern den Blick auf ein brisantes gesellschaftliches Thema: Suchterkrankungen.

Unsere Idee zu dieser Initiative entstand in den ersten groben Zügen bereits 2023. Nach einer erfolgreichen ambulanten Langzeit Entwöhnungs-Therapie, haben wir unsere dauerhafte Abstinenz nicht dem Zufall überlassen und uns zu einem Selbsthilfe-Team zusammengeschlossen (saxuminsalo.com). Bis dahin haben wir vieles erreicht. Der Weg dahin war alles andere als einfach: Wir mussten erkennen, dass wir 3 Kämpfe zu führen haben: Unsere Entwöhnung, unsere Stabilität und die fortwährende Stigmatisierung durch die Gesellschaft .

Für die meisten von uns hatte und hat die öffentliche Wahrnehmung, den größten Einfluss auf unsere Geschichte. Das beginnt bei der Entscheidung, sich zu outen und Hilfe anzunehmen, dauert über die Zeit einer Therapie an und begleitet uns möglicher Weise ein Leben lang.

Stefan Friedlein

 

Die Wissenschaft dahinter

Respect vs Stigma – Superheld*innen
Verstehen statt Etiketten: Eine dual wirkende Anti-Stigma-Intervention im Suchtbereich

Ausgangslage: Stigma, Sprache und Sucht

Menschen mit Suchterkrankungen erleben in allen Lebensbereichen Stigma:
späte oder ausbleibende Hilfesuche, Scham, Angst vor Jobverlust, abwertende Reaktionen im Gesundheitswesen und im sozialen Umfeld.

In den letzten Jahren wurde versucht, mit Sprachleitfäden gegenzusteuern: Begriffe wie „Alkoholiker“ oder „Säufer“ sollen durch personen-zuerst-Formulierungen („Mensch mit Alkoholabhängigkeit“) ersetzt werden. Diese Leitfäden sind wichtig – stoßen aber in der Bevölkerung zunehmend auf Abwehr („Sprachpolizei“, „man darf ja gar nichts mehr sagen“).

Kernthese von Respect vs Stigma:
Sprache ist nicht der Anfang, sondern das Ergebnis von Verstehen.
Wer Sucht besser versteht und Menschen mit Suchterfahrung differenziert wahrnimmt, wird seine Sprache oft von selbst verändern.

Potentiale und deren Ursprung begreifbar machen

Heldentum kennt keine Uniform und braucht keine Bühne. Oft wirkt außergewöhnliches im Verbborgenen. Bei überwundener Suchterkrankung werden Identitäten von Teilen der Gesellschaft verrissen und negativ markiert. Das wird sich nicht ändern, solange die Krankheit Sucht missverstanden wird.

Ansatz: Vom Sprachleitfaden zum Verstehen

Das Projekt baut auf einem einfachen, aber wirksamen Wirkmodell auf:

  1. Narrativer Kontakt
    Begegnung mit realen Geschichten von Menschen in Recovery – über Porträts, Texte, Workshops und Gespräche.
  2. Verstehen
    Sucht wird als bio-psycho-soziales Geschehen erkennbar: mit biografischen Brüchen, gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, Hilfen – und mit der Möglichkeit von Recovery.
  3. Haltungswandel
    Schuldzuschreibungen und Klischees („charakterschwach“, „selbst schuld“) werden brüchig; Empathie und Recovery-Optimismus nehmen zu.
  4. Veränderter Sprachgebrauch
    Abwertende Begriffe verlieren an Plausibilität. Respektvolle, personenorientierte Sprache wird zur naheliegenden Option – nicht, weil sie „verordnet“ ist, sondern weil das innere Bild sich verändert hat.

Das Format: „Respect vs Stigma – Superheld*innen“

Die Initiative ist eine fotografisch-narrative Wanderausstellung mit Dialog- und Workshopformaten. Kernelemente sind:

  • Großformatige Porträts von Menschen, die eine Alkohol- oder andere Suchterkrankung durchlebt haben und heute abstinent oder stabil in Recovery leben.
  • Biografische Geschichten, die Weg in die Sucht, Krisen, Wendepunkte, Therapie, Selbsthilfe und heutiges Leben beschreiben – ohne Verharmlosung, ohne Voyeurismus.
  • Moderierte Rundgänge, Workshops und Vorträge, in denen Besucher:innen ihre Bilder von Sucht, ihre Sprache und eigenen Berührungspunkte reflektieren.
  • Mitwirkung der Porträtierten als Sprecher:innen und Diskussionspartner:innen, wo dies gewünscht und passend ist.


Die Bezeichnung „Superheld*innen“ ist bewusst doppeldeutig: Sie spielt mit gängigen Held:innen-Klischees und bricht sie zugleich. Heldentum meint hier nicht Perfektion, sondern Mut, sich der eigenen Geschichte zu stellen, Hilfe anzunehmen und Verantwortung zu übernehmen.

Duale Wirkung: Anti-Stigma und Empowerment

Das Projekt ist bewusst dual angelegt:

  • Anti-Stigma nach außen
    Die Öffentlichkeit gewinnt ein differenzierteres, menschlicheres Bild von Sucht und Recovery. Stereotype werden irritiert, Haltungen verschieben sich, Sprache verändert sich.
  • Empowerment nach innen
    Die Porträtierten wechseln symbolisch die Rolle:
    von „Fall“ oder „Patient:in“ hin zu Expert:innen in eigener Sache.
    Ihre Geschichte wird sichtbar, ernst genommen und positiv gerahmt. Das kann Selbstwert, Selbstwirksamkeit und Hoffnung stärken – ein Baustein von Recovery.

Normales heldenhaft darstellen, damit es alltäglich wirkt

Es braucht spezielle Strategien, damit so etwas geläufiges, wie eine Sucht-Erkrankung Akzeptanz findet und die Geschichte der Menschen dahinter, entstigmatisiert werden kann.

Wanderausstellung und regionale Verankerung

  • Respect vs Stigma – Superheldinnen* ist als Wanderausstellung konzipiert:
  • Sie wird nacheinander in verschiedenen Landkreisen, Städten und Einrichtungen gezeigt – z. B. in Rathäusern, Kliniken, Beratungsstellen, Schulen, Betrieben, Kulturzentren.
  • An jedem Ort entstehen neue, regionale Porträts und Geschichten. Die Ausstellung wächst organisch und wird „Gesicht der Region“.


Es entsteht ein wachsender Pool an Menschen mit Suchterfahrung, die als Peer-Expert:innen in Prävention, Aufklärung und Gremienarbeit mitwirken können.

Dadurch verbindet das Projekt überregionale Struktur mit lokaler Identifikation:
„Das sind Menschen von hier.“

Nutzen für Kommunen, Fachpraxis und Unternehmen

  • Kommunen / Landkreise
    erhalten ein sichtbares, niedrigschwelliges Anti-Stigma-Format, das Gesundheitsförderung, Suchtprävention und Teilhabe konkret macht – und sich gut mit bestehenden Netzwerken (PSAG, Suchthilfe, Selbsthilfe, Jugendhilfe) verknüpfen lässt.
  • Fachpraxis und Selbsthilfe
    gewinnen ein Instrument, das Fachwissen, „Lived Experience“ und Öffentlichkeitsarbeit verbindet – inkl. Ansatzpunkten für Evaluation (Stigma, Haltungen, Recovery-Effekte).
  • Unternehmen
    können sich als Partner positionieren, etwa durch das Ausrichten der Ausstellung in ihren Räumen oder interne Veranstaltungen zu Sucht, Psyche und Arbeitswelt. Sie senden damit ein klares Signal:
    Genesene Suchtkranke werden als Ressource gesehen, nicht als Risiko.


Trägerin des Projekts ist die gemeinnützige 32code10 gUG, die sich auf entstigmatisierende, partizipative Formate im Schnittfeld von Sucht, psychischer Gesundheit und Arbeitswelt spezialisiert hat.

Kurz-Fazit

Respect vs Stigma – Superheldinnen* verschiebt den Fokus:
weg von reinen Sprachregeln, hin zu Verstehen, Begegnung und Beteiligung.

Indem reale Menschen mit Suchterfahrung sichtbar werden, führt die Initiative zu Haltungswandel und zu Sprache, die Respekt nicht nur behauptet, sondern lebt – nach außen in der Öffentlichkeit, nach innen in der Recovery der Beteiligten.

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